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Mein Kind hat eine LRS!


Gestellt von Sandra mit ihrem 7-jährigen Sohn Paul


Mein Kind hat eine LRS. Mir war früh klar, dass etwas nicht stimmt. In der Schule wurde es lange abgewiegelt und nicht erkannt. LRS-Förderung in der Schule gibt es nicht. Ich mache mir große Sorgen vor der dritten Klasse, wo viele Texte produziert werden müssen. Sollte er besser die zweite Klasse wiederholen? Er ist sprachgewandt und gut im Rechnen. Warum schafft es die Schule nicht, ihrem Auftrag nachzukommen und meinem Kind Lesen und Schreiben beizubringen?

Antwort:

Hallo Sandra,


vielen Dank für deine Nachricht.


Ich kann deine Sorge gut verstehen. Leider wird einer Lese-Rechtschreibschwäche oft in der Schule nicht die Beachtung geschenkt, die es verdient. Kinder mit einer solchen Schwäche zeigen in vielen anderen Bereichen gute bis sehr gute Ergebnisse. Auch dein Sohn kann gut rechnen und ist sehr sprachgewandt. So wird es häufig damit abgetan und geraten, zu Hause einfach ein bisschen mehr das Lesen und Schreiben zu üben. Doch dein Sohn braucht eine systematische LRS Förderung.

Was bedeutet LRS?

Kindern mit einer LRS fällt es enorm schwer Wortbilder aus dem Gedächtnis zu erkennen, also wenn ich z. B. 20x das Wort "Banane" gelesen habe, prägt sich mein Gehirn das Wortbild ein und so muss ich es nach mehrmaligem Üben nicht mehr Laut für Laut erlesen, sondern erkenne das Wortbild. Kindern mit einer Leseschwäche ist das nicht möglich - sie müssen sich auch nach 20x üben das Wort noch Laut für Laut erschließen. Dieses mühselige Erschließen hat natürlich auch zur Folge, dass die Konzentration auf den Inhalt fast unmöglich ist. So kann dein Kind den gelesenen Inhalt wahrscheinlich nur sehr schwer in eigenen Worten wiedergeben.


Bei der Rechtschreibleistung sieht es bei einer LRS nicht viel besser aus. Auch nach vielem Wiederholen und erinnern, werden immer wieder Buchstaben vergessen oder die Groß- und Kleinschreibung verwechselt. 


Das Problem besteht dabei, dass eine Lese-Rechtschreibschwäche auch in anderen Fächern auftaucht. So fällt es einem Kind mit einer LRS auch unheimlich schwer, sich z. B. den Inhalt von einer Textaufgabe zu erschließen.

Hilft ein Wiederholen der Klassenstufe?

Ein Wiederholen der Klassenstufe wird die Schwäche nicht ausgleichen können. Es gibt eine gezielte LRS Förderung, aber das "Problem" lässt sich damit nicht "aus der Welt schaffen". Es handelt sich um eine nachgewiesene Schwäche, die sich auch durch ein weiteres Schulbesuchsjahr nicht "wegradieren" lässt.


Dein Kind wird sogenannte Nachteilsausgleiche im Unterricht bekommen, die auf seine individuellen Schwächen eingehen und ihm da entgegenkommen. Das kann z. B. sein, dass ihm Textaufgaben vorgelesen werden, er einen Duden zum Suchen der richtigen Schreibweise erhält und/oder mehr Zeit bei einzelnen Tests erhält. Das wird und muss für ein Kind mit einer nachgewiesenen Lese- und Rechtschreibschwäche individuell festgelegt werden.

So kannst du dein Kind unterstützen

Zunächst einmal braucht du Verständnis für die nachgewiesene LRS. Denn das wird dir helfen, Geduld zu haben. Dein Sohn wird Fortschritte machen, aber immer wieder auch vermeintliche Rückschritte. Unterm Strich wird dein Kind Lernfortschritte macht, auch wenn es vergleichsweise mit anderen Kindern langsamer gelingt. 


Ich empfehle dir gleichbleibende und regelmäßige Übungseinheiten, die sich nicht an den aktuellen Unterrichtsinhalten orientieren, sondern an den individuellen Bedürfnissen deines Sohnes. Ich rate dir, immer wieder mit der gleichen Methode das Lesen und die Rechtschreibung zu üben. Das wird deinem Kind Sicherheit geben, da so der Fokus auf den Lernfortschritt gelegt wird und nicht immer wieder deutlich wird, was es eben noch nicht kann.


In meinem Virtuellen Klassenzimmer zeige ich die einzelnen Entwicklungsschritte. Finde zunächst heraus, bei welchem Meilenstein dein Sohn steht.

Lesen üben

So übst du das Lesen. Kann er bereits Silben lesen? Hat er Schwierigkeiten bei sogenannten Konsonantenhäufungen? Dann setze genau da an. Kann dein Sohn schon gut ganze Sätze lesen. Dann frage nach jedem Satz nach dem Inhalt, um das sinnesfassende Lesen zu üben. 

Schreiben üben

Beim Üben der Rechtschreibung ist es ganz ähnlich. Setze genau bei der individuellen Entwicklungsstufe deines Kindes an. Dabei beginnst du zunächst bei den lautgetreuen Wörtern und führst dann sukzessive Rechtschreibphänomene ein. Welche es da alles gibt, findest du auch in meinem Virtuellen Klassenzimmer


Ein Sprachgefühl für die richtige Schreibweise ist bei Menschen mit einer LRS nicht vorhanden. Deshalb müssen sich diese das Lesen und Schreiben hart erarbeiten. Habe dafür viel Verständnis. Mache deinem Kind bei Fehlern keine Vorwürfe und bleibe geduldig, wenn es beim Lesen mal länger dauert. Bestärke deinen Sohn in seinen Lernfortschritten. Hilf auch nicht zu früh, wenn dein Kind unsicher ist. Stichwort - Hilfe zur Selbsthilfe - "Denk nochmal drüber nach." - "Welche Laute erkennst du?" - "Sprich das Wort nochmal ganz langsam." 


Übe Wörter, die aus dem aktiven Wortschatz deines Kindes kommen. Verwende zum Lernen der Rechtschreibung unbedingt eine Lernwörterbox


Was ganz oft auch unterstützend wirkt, sind kleine sportliche Aktivitäten zwischen dem Üben. Das kann sehr gut zur Verankerung des Gelernten beitragen. 


Deine Geduld und gleichbleibende Übungsrituale werden deinem Sohn Sicherheit geben und den Fokus auf den Lernfortschritt richten. Dabei wünsche ich euch viel Erfolg, Sandra.