Ich beantworte deine Fragen

Mein Sohn weint, wenn wir zur Schule gehen.


Schilderung von Katrin mit ihrem Sohn Junes (6 Jahre)


Mein Sohn Junes wurde am Montag eingeschult. Seitdem weint er viel, möchte nicht zur Schule, isst schlechter, schläft schlechter. Auf meine Fragen was er denn hätte, kann er mir keine eindeutige Antwort geben. Die Lehrerin ist bestimmt leicht streng. Mit den Mitschülern hat er keine Probleme. Auch eine andere Lehrerin mochte er nicht. Er sagt, es ist alles so schwer. Er weint auch im Unterricht, wenn die Lehrerin dann nachfragt, weiß er nicht warum. Das Weinen geht schon nach dem Aufstehen los und wird schlimmer, wenn wir in der Schule angekommen sind. Ich weiß nicht, was ich noch tun soll. 

 

LG Katrin

Antwort:

Mein Kind will nicht in die Schule

Hallo Katrin,

 

viele Schulanfänger freuen sich auf den neuen Lebensabschnitt. Doch wenn es dann so weit ist, ist es dann ganz anders, wie eigentlich vorgestellt.

 

Was in den Köpfen verankert ist

Jetzt beginnt der „Ernst des Lebens“, wird häufig so salopp von vielen Erwachsenen im Umfeld des Kindes gesagt. Leider ist das ganz häufig auch so. Oft wird bereits in den ersten Schulwochen sehr viel Druck ausgeübt, dem ein kleiner Schulanfänger nur schwer gerecht werden kann. 

 

Dein Kind hat bis Schulantritt so viel gelernt und das auf ganz spielerische Art. Beginnt die Schule, scheint das kaum noch möglich zu sein. Es gibt Verpflichtungen und Erwartungen, die es für ein kleines Kind zu bedienen gilt. 

 

So ein Schultag

Alles neu – so ist es für dein Kind. Hast du schon mal den Arbeitsplatz gewechselt? Wie erging es dir dabei? Aufregung vor der neuen Herausforderung? Etwas Angst Fehler zu machen? Dein Kind kommt in eine vollkommen neue Umgebung. Er muss die Bezugspersonen, die er am Tag öfters länger sieht, als er dich sieht, erstmal kennenlernen und deren Gepflogenheiten verstehen. Das braucht Zeit. Dein Kind soll Vertrauen zu seiner Klassenlehrerin und auch Bezugserzieherin aufbauen. Das geht nicht über Nacht. Manch ein Kind findet sich schnell mit den neuen Personen ab und geht auf diese zu, wenn es Fragen oder ein Problem hat. Andere Kinder fühlen sich in den ersten Schulwochen ganz allein, weil sie die „neuen“ Erwachsenen gar nicht als Ansprechpartner wahrnehmen oder es sich nicht trauen.

 

Ein Schultag ist viel straffer durch getaktet, als es ein Tag im Kindergarten war. Häufig ist der Rhythmus in 45 Minuten getaktet. So sitzt dein Kind mehrmals am Tag da und hadert auf die Dinge, die wohl gleich kommen werden. Wahrscheinlich immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, wann kann ich das machen, was ich gewohnt bin und will – spielen? Da kommen die Hofpausen oft viel zu kurz und wenn, dann laufen da draußen so viele andere (größere) Kinder rum, die die Spielsachen so selbstverständlich benutzen, wie man es auch gern tun würde. 

 

War man im Kindergarten ein Großer, so zählt man hier zu den Kleinen.

 

Das alles ist ganz schön viel für eine kleine Kinderseele. Doch dein Kind kann dies mit Sicherheit schwer oder gar nicht in Worte fassen. Kindern in diesem Alter (es ist da ganz unterschiedlich) fällt es ganz schwer, ihren Tag zu beschreiben. Dabei auch auf Befindlichkeiten einzugehen, ist oft kaum möglich. Die Vorstellung an den nächsten Tag verursacht ein ungutes Gefühl und wenn dieser Tag immer näher rückt, sind Tränen oft ein naheliegendes Ventil, weil dein Kind keine andere Möglichkeit sieht, diese Vorstellungen zu kompensieren. 

 

Was hilft in den ersten Schulwochen?

Ruhe, Ruhe und ganz viel Vertrautes. Dein Kind braucht das Gefühl, dass sich durch die Schule nun nicht alles andere mit verändert. Außerdem braucht es einen Rückzugsort. In der Schule geht es laut her. Dein Kind ist einer ziemlichen Lärmbelästigung ausgesetzt. Sind es doch vielmehr Kinder, als es im Kindergarten waren und wenn die alle auf einmal zur Hofpause wollen, kann sich so ein Schulanfänger ganz schön überrannt fühlen.

 

Mein Kind erzählt nichts von der Schule

Lasst es am Nachmittag ganz ruhig angehen. Deine erste Frage ist nicht: „Was hast du heute in der Schule erlebt und gelernt?“, sondern „Was möchtest du heute zu Hause machen?“. Lasse dein Kind mit den vertrauten Spielsachen spielen. Oft ergibt sich dabei ein Gespräch über den Tag. „Ivonie hat auch so ein Flugzeug.“ – „Wer ist denn Ivonie?“ – So erfährst du etwas aus dem Schulalltag, was dein Kind aufgeschnappt und wahrgenommen hat.

 

Dein Kind ist nicht in der Lage, den Tag in Form eines Berichtes wiederzugeben. Viele einzelne Brocken an Eindrücken prasselten auf ihn ein. Dies in Worten mit den entsprechenden Befindlichkeiten weiterzugeben, ist eigentlich in diesem Altern nicht möglich.

 

Wenn dein Kind nicht an einer Ganztagsschule ist, findet der Unterricht am Vormittag und die ergänzende Förderung und Betreuung am Nachmittag statt. Hier können die Kinder spielen und die potenziellen neuen Freunde kennenlernen.

 

Finde einen Mittelweg

Hole dein Kind nicht direkt nach dem Unterricht ab, sondern gebe ihm auch die Gelegenheit, ganz ungezwungen mit Mitschülern und der Bezugserzieherin ins Gespräch zu kommen und zu spielen. Lasse dein Kind in den ersten Schulwochen aber auch nicht zu lange in der Schule. Baue die Zeit aus. Erst eine halbe Stunde, nach einer Woche eine Stunde. Nach einem Monat kannst du die Zeit verlängern. Oft wird dir dein Kind dann ein Zeichen geben und nicht so erfreut sein, wenn du jetzt schon zum Abholen kommst.

 

Ich bin für dich da

Mache deinem Kind immer wieder klar und deutlich, dass du jederzeit für ihn da bist, auch wenn du nicht mit in die Schule gehen kannst. Zeige viel Verständnis. Erkläre, dass sein Verhalten ganz normal ist und dass es sich bald legen wird. Erzähle, dass das auch für dich nicht leicht wäre – eine neue Umgebung - so viele neue Menschen und mache deutlich, wie stolz du auf dein Kind bist und wie toll er das meistert.

 

Strahle Ruhe aus

Innerlich bist du mit den Nerven am Ende. Jeden Morgen bringst du dein Kind an einen Ort, der mit Tränen verbunden ist. Es ist Schulpflicht, auch du musst zur Arbeit, aber dein Kind so leiden zu sehen, bricht dir das Herz.

Das Wichtigste dabei – Du strahlst Ruhe und Sicherheit aus. Werde nicht nervös, versuche nicht irgendwelche Begründungen und Ängste zu schlussfolgern. Zeige Stärke und Gelassenheit, auch wenn es in dir drinnen ganz anders aussieht, aber das braucht dein Kind nicht zu spüren. Es braucht deine Stärke und deine starken Arme und dein umwerfendes Lächeln als sicheren Hafen. 

 

Gespräch mit der Lehrkraft

Suche ein Gespräch mit der Lehrkraft. Oft hilft da auch der erste Elternabend. Dort werden die Gepflogenheiten und Rituale besprochen und erklärt. Diese kannst du in Gesprächen zu Hause benutzen. So wird deinem Kind schneller klar, dass es auch in der Schule (wie im Kindergarten) einen ritualisierten und so auch vertrauten Ablauf gibt, der eine Sicherheit bringt.

 

Manchmal ergeben sich in einem solchen Gespräch auch ganz leicht abzuändernde Dinge, die dein Kind so sehr bedrücken. „Ich habe kein Obst in meiner Brotbüchse, aber alle anderen schon.“ „Ich weiß nicht, ob ich in der Hofpause auf die Toilette gehen darf.“ „Ich bin in der Turnhalle immer der letzte.“ Schon so kleine Dinge können für ein Kind zu Verunsicherung führen oder es vollkommen aus der Bahn werfen. Oft kann man das ganz schnell ändern, erklären oder üben. 

 

Ich wünsche mir für deinen Sohn und drücke euch die Daumen, dass die Tränen bald getrocknet sind und dein Sohn gern zur Schule geht.

 

Liebe Grüße

Diana Wegel