Wie kann das Bearbeiten der Hausaufgaben nicht zum Kampf werden

So klappt das mit den Hausaufgaben und dem Üben zu Hause

Wie kann das Üben zu Hause gelingen? In der Theorie hört es sich ganz nett an. Sich mal eben 20 Minuten nach der Schule und dem eigenen Feierabend hinzusetzen und die Hausaufgaben anzugehen oder noch ein bisschen Kopfrechnen oder Lesen zu üben. 

Doch dann kommt das Leben dazwischen. Ihr kommt erst später vom Einkaufen zurück, oder dein Kind verweigert sich, stellt sich vielleicht sogar gänzlich stur, wenn du das Arbeitsheft mit den Hausaufgaben nur aus der Schultasche holst. 

Da kann der Akt der Hausaufgaben schnell zur Bewährungs- und Geduldsprobe werden. Verständlicherweise ist deine Motivation nach der Arbeit auch nicht auf dem höchsten Level und das Abendessen will schließlich auch noch vorbereitet werden.

So schön könnte es sein. Kann es das auch?

Eltern berichten, wie sie ihren Weg gefunden haben, zu Hause mit ihrem Kind zu üben.

Ich kann mir vorstellen, dass da auch für dich die ein oder andere gute Idee dabei sein wird, die es sich lohnt mal auszuprobieren.

Baue verbindliche Erholungs- und Arbeitsphasen ein

Gleich nach der Schule zu Hause weitermachen? Wer möchte schon zu Hause gleich wieder Akten sortieren, oder Angebote schreiben, wenn er das den ganzen Tag auf der Arbeit schon getan hat. Deinem Kind geht es da nach der Schule ganz ähnlich. Gönne deinem Kind erstmal eine Verschnaufpause. Lege aber vorher klar und verbindlich fest, wann z. B. mit den Hausaufgaben begonnen wird. 

Zwischen Schule und Hausaufgaben benötigt mein Sohn eine kleine Verschnaufpause. Mittagessen alleine reicht als Pause nicht aus. Also darf er vor den Hausaufgaben spielen, Musik hören oder einfach nix tun.

Ulrike

In der 1. Klasse, machte ich oft den Fehler, dass sie dann lernen soll, wann es mir zeitlich passt. Oft riss ich sie dann aus dem Spielen urplötzlich heraus. - klar, dass das Geweine dann groß war. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, sie zu fragen, wann sie üben möchte. Wir einigen uns dann meist auf 'in einer halben Stunde'. Nach 20 Minuten sag ich ihr Bescheid und wenn die Zeit vorbei ist, gibt es kein Zirkus zwecks üben.

Sandra

Karin hat sich für ihre Tochter einen Wochenplan erarbeitet. Regelmäßigkeit schafft Verlässlichkeit und minimiert das Suchen nach Ausreden – es ist ja immer so. Sie bindet ihre Tochter bei der Entscheidung, wann was gemacht wird, mit ein. Dabei achtet sie darauf, auch viel spielerisch mit ihr zu üben. 

Ich frage Tim nach der Schule meistens, ob er sofort Hausaufgaben machen will oder erst ein bisschen spielen möchte. Nach einer halben Stunde Spielzeit hole ich ihn dann. Das ist unser Ritual, von dem wir auch selten abweichen. Klar gibt es da schon mal ein bisschen Gemecker, aber das hält sich bisher zum Glück in Grenzen.

Nina

So klappt es mit den Hausaufgaben zu Hause

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Lasse dein Kind nicht allein

Es wäre so verlockend und praktisch. Dein Kind sitzt am Esstisch bei den Hausaufgaben und du kannst in der Küche das Abendessen vorbereiten. Doch in der Praxis klappt das leider selten. Kinder, gerade in der 1. und 2. Klasse, benötigen in den meisten Fällen deine Anwesenheit bei den Hausaufgaben. Sie haben Fragen und allein deine Nähe reicht schon, um die schulischen Herausforderungen zu meistern. 

Deine Nähe ist beim Bearbeiten der Hausaufgaben also ganz wichtig. Das bedeutet aber nicht, dass du die kostenfreie Hausaufgabenanimationsdame bist. Nimm deinem Kind nicht das Denken ab. Es ist auch nicht deine Aufgabe, die Hausaufgaben zu erklären. HAUSAUFGABE – Aufgabe für zu Hause, es heißt nicht Mamaaufgabe. Bei den Hausaufgaben sollte es sich immer um Aufgaben handeln, die der Festigung und dem Üben dienen. Sollte dein Kind eine Aufgabe mal nicht verstanden haben, lässt du diese frei. Es bringt dem Lehrer nichts, zu sehen, wie toll DU die Aufgaben bearbeitet hast. 

Und das finde ich ganz wichtig: Das Kind fragen, ob es Hilfe braucht. Denn ich finde 1., dass Hausaufgaben in den Verantwortungsbereich der Kinder fallen und 2., dass es übergriffig ist, dem Kind lernen aufzudrücken. Fragen stärkt die Selbsteinschätzung und das Selbstbewusstsein des Kindes. 

Wenn eines meiner Kinder bei der Frage ob ich ihnen helfen soll, mit „Ja“ antwortet, dann helfe ich insofern, dass ich sie darauf stoße, wie die Aufgabe gehen könnte. So haben sie das Gefühl, dass sie es doch noch selbst geschafft haben.

Ann Kathrin

Er wünscht sich zurzeit noch meine Anwesenheit bei den Hausaufgaben. Er ist ja auch erst in der ersten Klasse. Wir sitzen am Esstisch in der Küche. So können wir zusammen konzentriert arbeiten. Wenn es gut läuft, dann kann ich nämlich in der Zeit auch was “arbeiten“. Ob es eine Einkaufsliste ist oder ich ein Rezept lese. So “arbeiten“ wir beide und ich kann ihm helfen sobald er es einfordert.

Ulrike

Üben ohne zu Üben

Kinder sind neugierig. Überlege mal, wieviel dein Kind bis zum Eintritt in die Schule gelernt hat, ohne dass ein Lehrer oder du gesagt haben, dass wir das jetzt tun müssen. Dein Kind möchte Neues erfahren und lernen. Die Kunst besteht darin, die Momente zu entdecken und aufzugreifen, in denen dein Kind wissbegierig ist und genau da anzusetzen. Wenn du das schaffst, hast du gewonnen. Die Schwierigkeit: Zu wenig Zeit für den Moment. Deine Tochter fragt dich, ob sie heut mal an der Kasse bezahlen darf. Aber der kleine Bruder quengelt gerade unheimlich nach der Schokolade links neben dem Einkaufswagen. Dein Sohn versucht in der Bahn die nächste Haltestelle zu erlesen, doch du sagst dann doch, wann ihr aussteigen müsst. 

Wir bauen immer alles in den Alltag ein, quasi spielerisch. Jetzt liest sie uns sogar sehr viel vor. Es macht ihr Spaß, es lesen zu können. Immer wenn sie uns mal ein Wort vorgelesen hat, wie z. B. Wasser auf einer Wasserflasche, haben wir gleich gefragt, was davor steht -Mineral-. ... So ist sie zum Lesen gekommen. Das gleiche ist bei Mathe, z. B. beim Kuchenbacken. Ich brauche drei Eier, ach nein - eins mehr, also wieviel brauchen wir...? Ganz normale Alltagssachen eben.

Melanie

Beim Spielen lernen

Dein Kind lernt beim Spielen. Es hat sich mit 4 Jahren niemals mit der Aussage hingesetzt, nun etwas lernen zu müssen. Mit Eintritt der Schulzeit wandelt sich dieses Bild. Wer ruhig sitzt, sich konzentriert und aufpasst, der lernt was und ansonsten spielt man halt. Doch gerade beim Spielen lernt dein Kind so unheimlich viel. Greife bewusst die Neugier deines Kindes auf. 

Was auch toll ist, ist ein Spiel, bei dem man am Schluss seine Karten zusammenzählen muss (z. B. Phase 10). So merken die Kinder gar nicht, dass sie Üben und es macht ihnen total viel Spaß.

Monika

… Oder wir spielen Würfelspiele mit 2 Würfeln, Kniffel…. Wobei die Zwillinge immer nur selbst rechnen, so lange sie Spaß dran haben. Wird es zu viel, rechne ich. Oder sie zählen.

Ann Kathrin

Nach 3 Minuten Blick ins Leere, nach 7 Minuten kommt der Bock raus

Das ist ja alles schön und gut. Doch die Hausaufgaben müssen doch gemacht werden und das sind nicht gerade wenig. Fast täglich liegt da bei uns was auf dem Küchentisch. Und mein Sohn? Weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Ständig zeige ich ihm, welche Lücke er nun ausfüllen muss. Er wirkt total abwesend. Nach wenigen Minuten ist die Luft total raus.

Wie reagieren, wenn das die Realität ist?

Bei Frust mit Wut-Anfällen: Sofort aufhören. Evtl. später das Thema wieder aufgreifen. Gaaaaanz kleine Schritte machen, etwas sehr bildlich erklären. Und dann über Erfolge freuen und sie feiern. Bei Verweigerung aus dem Kampf aussteigen. Dann hat das jeweilige Kind eine Aufgabe eben nicht. Na und? Evtl. eine Notiz an die Lehrerin oder den Lehrer. Aber nur mit Zustimmung des Kindes.

Ann Kathrin

Woher kommt das scheinbare Desinteresse an den Aufgaben? Kläre unbedingt, ob dein Kind mit dem Schwierigkeitsgrad zurechtkommt. Gehen alle Kinder im Unterricht im Gleichschritt voran, kann es schnell passieren, dass dein Kind die Aufgaben noch gar nicht richtig durchdrungen hat. Als Ausweg sucht es sich eine Ablenkung in der Umgebung oder verweigert die weitere Bearbeitung.

Ich gebe meinen Kindern eine Pause und schaue, ob es vielleicht an dem Material liegt ... muss ich etwas anderes suchen...gibt es Hilfsmittel...wir finden immer eine Lösung. Manchmal haben sie eher Lust auf Mathe, oder wollen heute nicht so viel schreiben. Da kann ich mich drauf einlassen. Ich halte nichts davon, ihnen etwas aufzuzwingen, worauf sie sich dann nicht konzentrieren können. Es ist noch nie etwas liegen geblieben.

Maike

Immer in Bewegung

Es ist häufig bekannt, doch wird selten genutzt - manchmal bewusst, manchmal auch ganz unbewusst. Viele Kinder können ganz hervorragend lernen, wenn sie sich dabei bewegen. Da die Nachmittage für Tina mit ihrer Tochter eh schon immer viel zu kurz sind und die Geduld da auch nicht auf dem höchsten Maß vorhanden, nutzt sie den Weg zur Schule auf ganz kreative Art und Weise. 

Auf dem Weg zur Schule und nach Hause ergibt sich aber meist eine indirekte Übungssituation. Meine Tochter erzählt mir vom Tag und wiederholt damit das Gelernte. Sie liest sehr gern Nummernschilder von Autos, wir klatschen Silben von Dingen, an denen wir vorbei gehen oder jetzt gerade lass ich sie die beleuchteten Fenster zählen.

Ist den Kindern nach Singen, versuche ich unauffällig das Buchstabenlied auf deutsch oder englisch anzuklingen.

Tina

Die Sache mit der Motivation

Wie ist es möglich, das eigene Kind von außen zu motivieren, wenn die eigene Motivation nicht gerade auf dem Höchstmast steht?

Wir einigen uns immer, das heißt, wenn mein Sohn die Hausaufgaben erledigt hat, das heißt auch die Fragestellungen selber lesen und verstehen, um die Eigenständigkeit zu stärken und selbst auf einen Lösungsweg kommen, dann spielen wir etwas zusammen. Das finden Kinder super, gemeinsam mit dem Elternteil Zeit verbringen.

Aljona

Ich frag sie dann, wenn sie verzweifelt ist oder keine Lust hat, ob sie sich noch daran erinnert, wie sie Fahrradfahren gelernt hat oder Schwimmen, und dass sie das am Anfang auch nicht so gut konnte. Und dann erinnere ich sie daran, dass sie da auch immer geübt hat, auch wenn sie mal gefallen ist oder am Untergehen war, nicht aufgegeben hat, und jetzt kann sie so toll radeln und schwimmen. Dann grinst sie, weil sie daran denkt und sagt: „Stimmt ... wenn ich jetzt schön übe klappt es auch bald gut.“

Silvia

Ich habe angefangen jeden Tag in die Frühstücksbox eine kleine Botschaft zu legen. ... Jeden Nachmittag sollte sie mir erzählen, was auf ihrem Zettelchen stand. Sie hatte unglaublich viel Freude daran. Die Neugier, was wohl drauf steht, hat dazu geführt, dass sie morgens auch nochmal nachfragte, ob ich den Zettel auch nicht vergessen habe.

Tina

Und (auch nicht ganz unwichtig ist) Geduld, Gelassenheit und viel Lob. Wir haben z.B. Fleißkärtchen mit Witzen gekauft, die motivieren Tim sehr. Nach jeder Übungseinheit gibt es also noch einen Witz :-).“

Nina

Allen beteiligten Eltern (hier zitiert oder auch nicht) möchte ich ganz herzlich meinen Dank aussprechen.

Mia und Mika

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Motivation und Geduld 

beim Lernen

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