Belohnungssysteme – schaden sie langfristig?

Verteufelt von den einen und das einzige Druckmittel fĂŒr andere.

Die Meinungen könnten nicht unterschiedlicher sein. Bringen Belohnungssysteme Kindern langfristig etwas?

Sollte ich meinem Kind eine Belohnung fĂŒr geleistete TĂ€tigkeiten in Aussicht stellen oder lenkt das ein ganz falsches Bild auf die Sache und mein Kind macht etwas nur, weil es auch eine Gegenleistung dafĂŒr bekommt?

Punkte, Sternchen, Aufkleber oder Stempel – Die Möglichkeiten sind vielfĂ€ltig. Ein neues Spielzeug bei 10 Sternchen, ein neues Buch, wenn im Test eine 1 oder 2 geschrieben wurde.

Lass uns ĂŒber Motivation sprechen

Um dem nĂ€her auf den Grund zu gehen, möchte ich zunĂ€chst mit den beiden Fachbegriffen der intrinsischen Motivation und der extrinsischen Motivation um mich werfen. 

Intrinsische Motivation

Die intrinsische Motivation bedeutet, dass bei deinem Kind ein Antrieb aus dem Inneren heraus vorhanden ist. Dein Kind macht etwas, weil es das unbedingt will. Zu beobachten ist das z. B. wenn dein Kind ganz vertieft dabei ist, eine Legolandschaft aufzubauen und von diesem Vorhaben – mit dem Ziel eine Welt oder Figur zu erschaffen – nur sehr schwer abzubekommen ist. 

Extrinsische Motivation

Bei der extrinsischen Motivation wird von außen ein Anreiz geschaffen, Etwas zu bewerkstelligen, z. B. wenn du jetzt gleich dein Zimmer aufrĂ€umst, dann bekommst du heute auch einen Nachtisch. 

Setze nicht gleich ein Belohnungssystem ein, sondern vertraue erstmal auf die intrinsische Motivation. Viele Kinder helfen gern im Haushalt oder können sich durch kleine spielerische Gestaltung schnell zu etwas motivieren. Wenn das nicht so den nachhaltigen Erfolg bringt oder du in einem bestimmten Bereich einfach nachhelfen möchtest oder auch musst, dann 


Mögliche Belohnungen

Wo fĂ€ngt man an? Was ist eine angemessene Belohnung fĂŒr eine geleistete TĂ€tigkeit? Hiermit steht und fĂ€llt alles. 

Ich gebe dir mal eine kleine Auflistung möglicher Belohnungen, wie ich sie aus Berichten und ErzÀhlungen von anderen Eltern erfahren konnte.

  • Kleines Geschenk
  • Ein neues Lesebuch fĂŒr eine 1 oder 2 im Test
  • LĂ€nger aufbleiben
  • Gemeinsame Zeit/Ausflug
  • Noch was im Fernsehen gucken

  • Je jĂŒnger ein Kind, desto greifbarer muss die Belohnung sein. Ein Stempelsystem bei dem erst 20+ Stempel ĂŒber einen langen Zeitraum zu sammeln sind, ist schwer zu ĂŒberblicken. GrundsĂ€tzlich sind Belohnungen, die zu mehr Familienzeit fĂŒhren, den materiellen Belohnungen vorzuziehen. 

    Doch vielleicht schaffst du es auch, ein Punkte- oder Stempelsystem einzufĂŒhren, ohne das am Ende gleich eine greifbare Belohnung steht.

    Du möchtest ein Belohnungssystem einfĂŒhren? 

    Dann mal los, aber starte sanft und verspreche nicht gleich einen 5er BMW Cabrio. Jedes Kind hat Vorlieben und da sollte man natĂŒrlich auch ansetzen. Es ist nicht ratsam, gleich teure materielle Dinge fĂŒr eine geleistete Sache in Aussicht zu stellen.

    GrundsÀtzlich sind die qualitativen Familienzeiten einem materiellen Geschenk vorzuziehen.

    Denkst du an dein Kind, kennst du deren Vorlieben und kannst du schnell eine Belohnung finden, die dein Kind auch motiviert.

    Es muss zum Start auch nicht gleich ein ganzes Belohnungssystem sein. Du kannst auch erstmal schauen, welches Verhalten – also welche extrinsische Motivation – dein Kind an den Tag legt, wenn du eine bestimmte Sache in Aussicht stellst.

    Wichtig, damit es gelingen kann

    Du musst dein Kind unbedingt vorher erklĂ€ren, dass du ein Belohnungssystem einfĂŒhrst und die Erwartungshaltung genau transparent machen. Deinem Kind muss ganz genau bewusst sein, was du von ihm erwartest und genau seine Handlungsschritte und ggf. auch die zur VerfĂŒgung stehende Zeit kennen. 

    AlltĂ€gliches gehört nicht ins Belohnungssystem. Nach dem Essen den Tisch abrĂ€umen und dann die ZĂ€hne putzen, ist eine SelbstverstĂ€ndlichkeit und es sollte keine Belohnung in Aussicht gestellt werden. So wird dein Kind bald gar nichts mehr aus eigenem Antrieb heraus erledigen. 

    Stelle auch keine Belohnung in Aussicht, die in ferner Zukunft liegt oder deren Erreichung von vornherein unmöglich scheint.

    Wie ich es handhabe

    Wenn du mich schon eine Weile kennst, dann weißt du, dass ich kein sehr großer Fan von Hausaufgaben bin. Ich meine, welcher Erwachsene hat nach der Arbeit zu Hause noch Lust, ein bisschen an seinem Arbeitsstapel weiterzuarbeiten, nur um zu beweisen, dass er das zu Hause auch alleine bereit ist zu leisten. Also SelbstĂ€ndigkeit kann man bei einem Kind auch anders fördern. 

    Nun gilt es hier schon noch einmal zu differenzieren. Es gibt Aufgaben, die sind zu Hause ganz unbedingt zu bewĂ€ltigen. Dabei handelt es sich um sogenannten AutomatisierungsĂŒbungen, die sich immer wieder wiederholen – also Lesen ĂŒben, regelmĂ€ĂŸig schreiben und das Kopfrechnen vertiefen.

    Meine Tochter Luanne geht noch nicht zur Schule, allerdings geht sie einmal in der Woche zur Musikschule. Das ist dort eine Mischung aus Singen, Tanzen und Keyboard spielen. Jede Woche gibt es eine Hausaufgabe, die aus mindestens vier Komponenten besteht und jedes Mal wundere ich mich, wie schnell die Woche um geht und wir kaum dazu kommen, diese Aufgaben zu gewĂ€hrleisten. 

    Luanne liebt es zu singen und zu tanzen. Da bedarf es wenig extrinsischer Motivation. Ich mache einfach die Musik an, fange an vorzusingen und sie macht mit. Weit schwieriger ist es, zu Hause das Spielen am Keyboard zu ĂŒben. Da greifen wir auf eine extrinsische Motivation zurĂŒck. Suchen mussten wir dafĂŒr nicht lange. Luanne liebt es, etwas bei Netflix zu schauen. DafĂŒr ist sie bereit, die ein oder andere HĂŒrde zu nehmen – auch Keyboard spielen zu ĂŒben.

    Sie kennt im Vorfeld genau die Erwartungshaltung – erst ein Lied spielen ĂŒben – dann das Zimmer aufrĂ€umen – erst dann ist es fĂŒr sie erlaubt, sich eine Sache bei Netflix (20 Minuten) auszusuchen, die sie schauen möchte.

    Konsequent umsetzen

    Dann kommt der schwierigste Teil bei der ganzen Sache mit dem Belohnungssystem – es konsequent umzusetzen. Mein Mann und ich könnten da unterschiedlicher nicht sein. Luanne weiß ganz genau, was ich ihr sage, halte ich auch ein und wenn z. B. ihr Zimmer nicht aufgerĂ€umt wurde, dann darf sie auch nichts bei Netflix gucken. Luanne weiß aber auch ganz genau, dass bei Papa noch alles Verhandlungssache ist und bettelt und bittet, bis sie sich dann doch erschleicht, was sie möchte. Ein nicht ganz seltenes Streitthema bei uns zu Hause – aber das ist ein anderes Thema. 

    Nun haben wir uns zu Hause darauf geeinigt – wenn Mama eine Abmachung festlegt – halten sich alle daran. Und dann muss man es aushalten. NatĂŒrlich klappt es nicht immer so, wie vereinbart. Dann ist das Zimmer auch mal nicht in der vorgegebenen Zeit (die manchmal wohlwollend auch ganz langsam ablĂ€uft) aufgerĂ€umt. Ich sage dann in diesem Fall: „Du hast es nicht geschafft, in der vorgegebenen Zeit dein Zimmer aufzurĂ€umen, du weißt also, was das bedeutet.“ Von diesem Standpunkt rĂŒcke ich dann auch nicht mehr ab. Keine Frage betteln, bocken, weinen gehören auch mit dazu. Aber wenn ich darauf hin dann nachgebe, kann ich mir ganz sicher sein, dass dieses Verhalten permanent auftritt und in seinem Erscheinen immer mehr zunehmen wird, bis das Kind dann bekommt, was es möchte. Da tritt die eigentliche Verabredung vollkommen in den Hintergrund und steht in keiner Relevanz mehr. Soweit lasse ich es nicht kommen. Ein Kind braucht einen zuverlĂ€ssigen Rahmen.

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