Von der richtigen Stifthaltung zur schönen Handschrift

Ständig hält mein Kind den Stift falsch.

Mein Kind schreibt so unsauber und ist so lustlos dabei.

Am Wochenende haben wir eine Freundin von mir besucht und, wie könnte es anders sein, sie ist auch Lehrerin. Mmh, gleich und gleich gesellt sich eben gern.

Warum ich dir das erzähle? Nun als ihre ältere Tochter (2. Klasse) ein Ausmalbild malte, fiel mir auf, dass sie den Stift mit dem Daumen, Zeigefinger UND Mittelfinger griff. Wobei der Mittelfinger die Führung des Stiftes übernahm.

Wenn du mir schon länger folgst, dann weißt du, wie wichtig die richtige Stifthaltung ist, damit dein Kind überhaupt eine Chance hat, schön und schnell schreiben zu lernen. Nun könnte man sagen: „Ach, braucht doch heutzutage kein Mensch mehr.“ Doch das ist nicht der Fall. Selbst wenn du allein nur den Fokus darauflegst, dass in Zukunft sämtliche schriftliche Tests deines Kindes maßgeblich von dessen Handschrift abhängig ist, lohnt es sich, dass du mal genauer auf die Stifthaltung deines Kindes schaust.

Du kannst dazu gleich weiterlesen oder du schaust dir an dieser Stelle hier erstmal mein Video zur richtigen Stifthaltung an.

Video: So hält dein Kind den Stift richtig

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Als ich meine Freundin darauf ansprach, meinte sie, dass es ihr noch gar nicht aufgefallen wäre. Bei den Kindern in ihrer Klasse achte sie ganz genau darauf, aber bei der eigenen Tochter ist es ihr noch nicht aufgefallen.

Das war für mich der Grund, diesen Beitrag der Stifthaltung deines Kindes zu widmen. Zu oft passiert es, dass wir den Fokus zu stark auf das Ergebnis legen.

Also meine Aufforderung an dich: Achte einmal bewusst und genau darauf, wie dein Kind den Stift hält.

Hält dein Kind den Stift sicher im Dreipunktgriff? Dreipunkt-Was? Dreipunktgriff! Dabei wird der Stift (idealerweise ist es ein Stift mit drei Seiten) mit dem Daumen und Zeigefinger gegriffen und liegt auf dem Mittelfinger auf. Der Stift selbst liegt in der Mulde vom Daumen und Zeigefinger. So hält dein Kind den Stift sicher und richtig. Mit dieser Stifthaltung kann dein Kind den Sprung vom mühsamen Schreiben zur flüssigen Handschrift vollziehen.

Mein Kind schafft es einfach nicht den Stift richtig zu halten

Du weißt durchaus, wie dein Kind den Stift richtig halten sollte und du hast dein Kind nicht nur einmal daran erinnert? Aber dein Kind rutscht immer wieder in die falsche Stifthaltung? Da ist mein Rat an dich: Sei geduldig, aber gib nicht auf.

Meine Tochter Luanne war der Grund gewesen, warum ich mich vor einem Jahr nochmal ganz intensiv mit der Stifthaltung beschäftigt habe. Ich habe meine Tochter ständig auf die korrekte Stifthaltung hingewiesen. Sie hat immer wieder den Mittelfinger zur Stiftführung hinzugezogen. Irgendwann war ich an dem Punkt und dachte mir, das wird nie was.

Ich hatte es dann versucht zu relativieren. Na ja, heutzutage wird doch eh fast alles mit dem Computer geschrieben oder dachte mir, sie schriebe und male ja zumindest altersgemäß ordentlich.

Aber meine intensive Recherche führt mich zu der Erkenntnis, dass die richtige Stifthaltung enorm wichtig ist. Es führt kein Weg daran vorbei.

Also gab ich die Hoffnung (und meine Geduld) nicht auf und erinnerte Luanne weiterhin regelmäßig daran, den Stift richtig zu halten.

Dazu möchte ich dich auch ermutigen, wenn dein Kind jetzt noch nicht den Stift richtig hält. Dafür möchte ich dir hier 3 Tipps mitgeben.

Tipp 1: Gib deinem Kind nicht das Gefühl, etwas falsch zu machen

„Mensch du hältst ja schon wieder den Stift falsch.“ Erkläre deinem Kind, dass es sehr wichtig ist, den Stift richtig zu halten, da es bald lernen wird, richtig schnell und viel zu schreiben und du nicht möchtest, dass deinem Kind dabei die Hand weh tut. Aber mache dein Kind nicht immer vorwurfsvoll deutlich, dass es gerade schon wieder einen Fehler macht. Nutze dazu auch Tipp Nr. 2.

Tipp 2: Vertrauen statt Kontrolle

Kinder wollen es von Natur aus richtig machen. Gib deinem Kind die Chance dazu. Bei Luanne war einer meiner Standardsätze, den ich aus der Ferne zu ihr sagte: „Und hältst du heute den Stift wie ein Kitakind oder wie ein Schulkind?“ Ihre Standardantwort darauf war eigentlich immer: „Wie ein Schulkind.“ (Öfters in diesem Moment merkte ich, wie sie die Stifthaltung korrigierte, ließ das aber unkommentiert und tat so, als würde ich es nicht gesehen haben.) Ich bin dann zu ihr hingegangen und habe mir ihre Stifthaltung – die dann offensichtlich richtig war – angesehen und mich mit dem entsprechenden Lob nicht zurückgehalten und ihr gezeigt, wie stolz ich auf sie war.

Dadurch war es für sie nie ein Druck und ich habe ihr das Gefühl gegeben, zu zeigen, dass sie es richtig machen kann.

Tipp 3: Mit Übung zur Automation

Trotzdem dauerte es Monate, bis sie den Stift ganz automatisch richtig griff. Einen wesentlichen Umbruch brachte ein – wenig originelles, aber sehr effektives – Spiel, das mir spontan eingefallen war. Luanne hatte zu diesem Zeitpunkt gerade gelernt, wie man Herzen zeichnet. So habe ich ihr ein weißes Blatt gegeben und vor ihr all ihre Filzstifte aufgereiht. Ihre Aufgabe war es nun, der Reihe nach mit jeder Farbe ein Herz auf das Blatt zu zeichnen. Meine Aufgabe war es, immer wenn ich gesehen habe, dass sie den Stift falsch gehalten hat, habe ich ihr – nach vorheriger Vereinbarung - einen Strich auf den Arm gemalt. Sie zeichnete die Herzen und ich habe sie dabei immer mal wieder beobachtet.

Stifthaltung lernen
Stifthaltung kinder

Natürlich hatte sie einige Striche von mir bekommen (sonst hätte die ganze Übung ja gar nicht solchen Spaß gemacht), aber nach dieser Übung – wir haben den Herzen dann auch noch Gesichter gegeben und ausgemalt (über 3 Tage hinweg) – hatte sie danach den Stift kaum noch falsch gegriffen. Die richtige Stifthaltung war automatisiert und hat die falsche abgelöst.

Mein Kind hält den Stift richtig und schreibt trotzdem unsauber

Dein Kind lernt gerade die Buchstaben? Ging es dir auch schon mal so, dass dein Kind in der Schule eine ganze Seite – sagen wir das große und kleine M – geschrieben hat und du das zu Hause am liebsten wieder ausradieren würdest, weil es so unsauber aussah? Musst du dein Kind auch öfters ermutigen und darauf hinweisen, doch sauberer zu schreiben?

Wenn du eine dieser beiden Fragen mit „Ja“ beantwortest, habe ich eine weitere Frage an dich: Weiß denn dein Kind, auf was es achten muss, wenn es Schreiben übt?

Ich ziehe an dieser Stelle immer gern den Vergleich zu den japanischen Schriftzeichen.

Stell dir vor, jemand hat beschlossen, dass du diese jetzt lernen musst. Du bekommst ein Heft, indem die Zeichen vorgegeben sind und du sollst sie nachschreiben. Dafür bekommst du eine Kalligrafie-Feder an die Hand. Das ist gar nicht so leicht. Die Feder schreibt nur, wenn man nicht zu doll und zu wenig aufdrückt, sowie sie im richtigen Winkel hält und die japanischen Schriftzeichen „abzumalen“ ist ganz schön knifflig. Du gibst dir Mühe. Du schreibst die ersten Zeichen sehr exakt und genau, aber nach der 2. Zeile tut dir schon der Arm weh und es ist auch irgendwie ganz schön langweilig, ständig das gleiche Zeichen zu schreiben. Das Resultat: Je weiter du nach unten auf der Seite schaust, desto unsauberer sieht das Ganze aus.

Nun kommt dein Japanischlehrer, nimmt die Seite, reißt sie heraus, zerknüllt sie, regt sich darüber auf, wie unsauber das sei und dass du das doch viel besser könntest und hat die gleiche Seite nach einmal für dich, die du nun abarbeiten sollst.

Wie steht es da mit deiner Motivation? Wird es beim nächsten Mal besser werden?

Für dein Kind ist der Schreibprozess ganz neu, ungewohnt und anstrengend. Das darfst du nicht vergessen. Das kannst du auch wenig beeinflussen. Aber ich kann dir sagen, was deinem Kind unbedingt klar sein sollte, wenn es Schreiben übt.

Es geht nämlich nicht darum, viel zu schreiben, getreu dem Motto: Viel hilft viel. Es reicht, wenn dein Kind die einzelnen Buchstaben nur wenige Male übt, dafür aber beweisen kann, dass es diese sauber und korrekt schreiben kann. Du wärst doch auch motivierter, wenn du das japanische Schriftzeichen, nur wenige Male sauber schreiben müsstest.

Das Problem ist aber ganz oft, dass Kinder gar nicht wissen, was sie besser machen können. Mit der Aussage: „Aber das kannst du doch besser.“ kann dein Kind wenig anfangen.

Die 3 Faktoren für eine saubere Handschrift

Aus diesem Grund möchte ich dir hier die 3 Faktoren mit auf dem Weg geben, mit der dein Kind in sehr kurzer Zeit eine saubere Handschrift entwickeln wird. Diese 3 Faktoren muss dein Kind jederzeit im Hinterkopf haben, noch bevor es den richtigen Buchstaben schreibt.

Dann geht es nicht mehr darum, einen Buchstaben Seite um Seite zu üben, sondern gezielt zu zeigen, dass dein Kind diesen Buchstaben beherrscht.

Wenn dein Kind einen Buchstaben schreibt, muss es dabei an diese 3 Faktoren denken:

  1. Ich muss den Stift richtig halten.
  2. Ich muss den Buchstaben in der vorgegebenen Schreibrichtung schreiben.
  3. Der Buchstabe muss sich am Linienrand festhalten.

Zu 1.

Wir haben bereits weiter oben darüber gesprochen. Dein Kind muss den Stift sicher im Dreipunktgriff halten. Nur so kann dein Kind lernen, flüssig und schnell zu schreiben.

Zu 2.

Du weißt doch, dass es zu jedem Buchstaben eine vorgegebene Schreibrichtung gibt? Diese muss dein Kind kennen und sicher anwenden können.

Zu 3.

Die einzelnen Buchstaben müssen sich am Linienrand festhalten. Sie dürfen weder über den Linienrand hinausgehen, noch in der Luft schweben. Dadurch entsteht sonst nämlich der unsaubere Gesamteindruck.

Diese 3 Faktoren muss dein Kind kennen, um sie überhaupt anwenden zu können. Wenn dein Kind beweisen kann, dass es einen Buchstaben unter Beachtung dieser 3 Faktoren schreiben kann, geht es nicht darum ganze Seiten damit zu füllen. Qualität vor Quantität!

Stifthaltung Kinder

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Die Handschrift meiner Tochter war übrigens auch der Grund, warum es inzwischen einen eigenen Lernraum nur für die Handschrift im Virtuellen Klassenzimmer gibt.

So lernt dein Kind mit Leichtigkeit Lesen, Schreiben und Rechnen

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Die Online-Lernplattform für Eltern, die ihr Kind beim Lernen unterstützen wollen und überzeugt sind, dass Lernen Spaß machen darf.