mein Kind kann nicht lesen

Achtung!

Dieser Artikel stellt meine ganz subjektive Meinung dar, die mich innerlich zu tiefst traurig macht. FĂŒr meine etwas direkte Wortwahl an der ein oder anderen Stelle möchte ich mich vorab entschuldigen. Ich kritisiere hier das Bildungssystem und veraltete Unterrichtsmethoden. PĂ€dagogen, die eine tolle Arbeit leisten, mögen sich bitte nicht angesprochen fĂŒhlen.

Warum jeder 5. ViertklÀssler nicht richtig lesen kann und wie deinem Kind das nicht passiert

Kannst du diese Zeilen lesen? So schĂ€tze dich glĂŒcklich. 20% der ViertklĂ€ssler können nicht richtig lesen und ob sie es noch lernen werden – wir wissen es nicht. Was ist passiert? Ist die heutige Smartphone-Generation, die ein solches bereits mit zwei Jahren sicher bedienen kann, gar nicht mehr in der Lage Lesen zu lernen? Oder sind die vielen Schulreformen Schuld an der Misere? Ursachen fĂŒr dieses Problem, welches nun als Tatsache im Raum steht, gibt es leider viele.

Warum lernt mein Kind nicht Lesen?

Pin mich auf Pinterest

Darum können so viele Kinder nicht richtig lesen

Ursache 1

Es lĂ€uft so einiges schief an den Schulen. Viele wissen es, doch daran etwas zu Ă€ndern, da scheinen den Verantwortlichen die HĂ€nde gebunden. So wird auf Infoauftaktveranstaltungen an Schulen gerne von individueller Lernentwicklung gesprochen. Ein großer Begriff – auch sehr gut gemeint. In der Umsetzung hĂ€ufig ungenĂŒgend umgesetzt. Da wird das Kind sich selbst ĂŒberlassen. Da wird ein Stapel an Arbeitsheften und ganze Ordner an ArbeitsblĂ€ttern zur VerfĂŒgung gestellt. Denn Material ist in HĂŒlle und FĂŒlle vorhanden. Getreu dem Motto: Viel hilft viel. Nun kann sich ein Kind, je nach den Voraussetzungen die es mitbringt, unterschiedlich schnell durch dieses Material durcharbeiten.

Da passiert es dann mal schnell, dass gleich mehrere Seiten am StĂŒck fehlerhaft bearbeitet wurden. Das Kind beginnt auf gut GlĂŒck, vermutete Lösungen zu notieren, ohne mit der neuen Thematik vertraut zu sein. Eine gemeinsame EinfĂŒhrung mit allen Kindern – schwierig, da sich jedes Kind gerade auf einer anderen Seite in einem Arbeitsheft befindet oder mit einem anderen Arbeitsblatt beschĂ€ftigt ist. Es jedem Kind individuell zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erklĂ€ren, ist zeitlich nicht zu realisieren. So entstehen WissenslĂŒcken, die im Laufe der Schuljahre immer grĂ¶ĂŸer werden. FĂŒr das gemeinsame LesenĂŒben ist so gut wie gar keine Zeit vorgesehen. Auch das Lesen sollen sich die Kinder im eigenen Tempo aneignen. Nur bieten die Schulbuchverlage gar keine Strategien und Lernwege an, sich dieses Wissen selbststĂ€ndig anzueignen.

Kinder werden sich selbst ĂŒberlassen - keine Zeit zum LesenĂŒben

Ursache 2

Ganz entgegengesetzt, doch auch mit fatalen Folgen ist dieses Vorgehen: Alle im Gleichschritt marsch. Da mag man gleich an Rekruten bei der Bundeswehr denken. Doch Ă€hnlich geht es in noch vielen Klassenzimmern bei der Aneignung von Inhalten zu. So plant ein Lehrer auf die Unterrichtsstunde genau, wie lange ein neues Thema in der Klasse erst eingefĂŒhrt, dann geĂŒbt und zuletzt zum Zeitpunkt X ĂŒberprĂŒft wird. Kommt dir das vielleicht bekannt vor? Also ich habe zu meiner Schulzeit ganz Ă€hnlich gelernt. Das habe ich mich in Mathematik frĂŒher ziemlich gelangweilt. Mir ist das sehr leicht gefallen. In Deutsch war es ganz entgegengesetzt, z. B. das Bestimmen von Subjekt, PrĂ€dikat und Objekt habe ich nie so schnell hinbekommen, wie mich der Test dann plötzlich erwartet hat.

Das Schöne und gleichzeitig Fatale an den Inhalten in Deutsch und Mathematik ist, dass die meisten Themen jedes Schuljahr wiederkommen, nur vom Schwierigkeitsgrad komplexer werden. So muss dein Kind in der 1. Klasse z. B. Plusaufgaben bis zur Zahl 20 lösen können und in der 3. Klasse bis 1.000. Wenn dein Kind nun schon in der 1. Klasse nie richtig die Rechenstrategien gelernt hat, wie soll es dann diese in der 3. Klasse souverĂ€n anwenden. Nicht ohne Grund versuchen viel zu viele Kinder da noch ihre vertraute Strategie anzuwenden und zĂ€hlend Ergebnisse zu ermitteln. Es war nicht genĂŒgend Zeit fĂŒr diese Kinder die passenden Rechenstrategien zu erlernen. Auf einen leseschwachen SchĂŒler kann dabei im Unterricht wenig RĂŒcksicht genommen werden. In solchen FĂ€llen wird die Verantwortung schnell ans Elternhaus abgegeben.

Alle im gleichen Tempo - keine Zeit fĂŒr den Einzelnen

Ursache 3

Lass mich noch eine dritte Ursache fĂŒr dich darstellen, wenngleich es sicher noch weit mehr gibt. Weißt du, wie dein Kind Schritt fĂŒr Schritt Lesen lernt? Nicht so richtig – sagst du vielleicht. Da muss ich dir sagen, dass es viele Lehrer an den Grundschulen leider auch nicht wissen. Das mag fĂŒr dich schockierend sein, ist aber leider RealitĂ€t. Nehmen wir nur als Spitze des Eisberges die vielen Quereinsteiger die nun massenweise an die Grundschule geholt werden. Ein Diplom in Musik? – wunderbar. Musiklehrer sind nun wahrhaft Mangelware. So ist es nicht unĂŒblich, dass ein Musiker plötzlich als Deutschlehrer in einer 1. Klasse steht. Die Didaktik des Unterrichtens wird nebenbei an der UniversitĂ€t und unmittelbar am lebenden Objekt - deinem Kind - gelernt.

Ein bisschen Schwund ist immer. Das es dabei aber um Kinder geht, die nicht richtig auf die Oberschule und so auf ihr Berufsleben vorbereitet werden, bleibt dabei außer Acht und das kann auch dein Kind sein. In der Grundschule wird der Grundstein fĂŒr den weiteren Bildungsweg gelegt und somit darf es nicht sein, dass ein Diplommusiker probiert, wie man wohl einem Kind das Lesen beibringt. Dein Kind hat nur diese eine Chance.

Versuch am lebenden Objekt - deinem Kind

Machst du diesen Fehler?

Ein angehendes Schulkind ist neugierig. Unbedingt möchte es Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Hoch motiviert und von dir mit allen Materialen und Schulranzen bestmöglich ausgestattet, kommt dein Kind in die Schule. Es sitzt in der Schulbank, gebannt der Dinge, die da kommen werden. Voller Enthusiasmus – oder auch etwas weniger davon – macht es sich an die gestellten Aufgaben. Es stellt wohl niemals in Frage, was die Lehrkraft da vorne erzĂ€hlt, fĂŒr Seiten im Arbeitsheft vorgibt oder ArbeitsblĂ€tter als Hausaufgabe mit nach Hause gibt.

Du wirst mit deinem Kind die Hausaufgaben gemeinsam zu Hause bearbeiten, wahrscheinlich in Freude, auch zu Hause dein Kind unterstĂŒtzen zu können und wohlwissend, was da im Unterricht so gemacht wird. Vielleicht Ă€rgerst du dich manchmal, wenn dein Kind eine Aufgabe nicht verstanden hat, vielleicht grĂŒbelst du selbst manchmal, was bei einem Arbeitsblatt zu tun ist. Doch die Hausaufgabe, vom Lehrer gestellt, wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in Frage stellen. Solltest du vielleicht mal tun. Zu hĂ€ufig sind da Eltern im blinden Aktionismus (wenn sie denn ĂŒberhaupt unterstĂŒtzend tĂ€tig sind), ohne im Blick zu haben, wo ihr Kind aktuell steht und was es benötigt, um erfolgreich lernen zu können.

Probiere es doch mal so

Es gibt wahrhaft traumhafte Lehrer. Sie haben das GlĂŒck, ihrer Berufung nachzugehen. Sie lieben, was sie tun und machen das genau richtig. Lehrer, die ihre Kinder in der Klasse mit ihren individuellen Besonderheiten kennen und sehr gut in der Lage sind, dies beim Lernen jedes einzelnen Kindes zu berĂŒcksichtigen. Und ich wĂŒnsche dir von Herzen, dass du das GlĂŒck hast, an einen genau solchen Lehrer bzw. eine Lehrerin geraten zu sein. 

Eine Möglichkeit ist es fĂŒr dich, dir bei einem nĂ€chsten ElterngesprĂ€ch erklĂ€ren zu lassen, wie dein Kind Lesen, Schreiben und Rechnen lernt und wo es sich auf diesem Lernprozess gerade befindet. Eine erfahrene Lehrkraft wird dir gerne und souverĂ€n antworten können. Wirst du dafĂŒr kritisch beĂ€ugt, bekommst eine knappe oder dir ungenĂŒgende Antwort, dann solltest du skeptisch sein

Teilen oder spÀter weiterlesen?

shares